Heinz Dössegger

In der Zeitepoche des Internets findet man über Alles und Jeden irgendetwas.

Doch was passiert, wenn im Internet was falsches, sogar Rufschädigendes über einem selbst publiziert wird?

So geschah es mir vor etwa 3 Monaten. Ich überwache das Internet auf Begriffe die mich sehr interessieren und solche die mich betreffen.
Eines Tages stiess ich so auf die Webseite databot.ch, betrieben durch die Firma Factor AG.

Die Firma Factor AG verdient ihr Geld indirekt durch das Kopieren von Amtlichen Daten, die das SHAB (Schweizerisches Handelsamtsblatt) publiziert.
Die SHAB publiziert Informationen über Personen und Firmen. Unter anderem auch über Statutenänderungen, Verwaltungsratsmitglieder, Firmenkonkurse usw.

Also gab ich meinen Namen bei www.databot.ch ein um zu schauen was da so über mich steht. Und ich staunte nicht schlecht. Databot verkündete, dass ich Inhaber und Verwaltungsratsmitglied der in Konkursliquidation stehenden Firma Dössegger AG. Ich kenne zwar diese Firma, hatte jedoch noch nie was mit dieser zu tun. Geschweige denn bin ich dort Verwaltungsratspräsident.
Bei genauerem Hinschauen, stellte ich zudem fest, dass der richtige Geschäftsführer der Dössegger AG dafür Vorstandsmitglied in der Wohnschule Freienstein ist. Komisch nur das ich ihn nicht kenne, denn ich bin seit bald 15 Jahren Vorstandsmitglied in der Wohnschule!

Ich meldete den Fehler umgehend der auf der Homepage angegebenen E-Mail Adresse. Die Firma nahm zu diesem Zeitpunkt zur Kenntnis, dass sie falsche, für mich rufschädigende Informationen publiziert haben. Leider wurde mein Anliegen von der Firma nicht ernst genommen. So schrieb ich diverse E-Mails mit zunehmend scharfem Ton und jeweils kürzer werdenden Fristen. Danach folgte noch ein eingeschriebener Brief. Darin erwähnte ich auch, dass wenn die Daten nicht umgehend angepasst werden, ich mich gezwungen sehe, den Rechtsweg einzuschlagen.

Auch das schien die Firma Factor AG nicht zu beeindrucken. Da ein Rechtsanwalt locker > 300 CHF für die Stunde nimmt, machte ich einen weiteren Anlauf. So telefonierte ich mit der Firma Factor AG um mich über das Problem zu erkundigen. Es wurde zwar Verständnis geäussert für meinen Ärger, vertröstete mich aber auf einen Rückruf. Wie zu erwarten gab es diesen nicht. Also rief ich nochmals an. Auch hier wurde ich wiederum vertröstet.

Nun riss mir der Geduldsfaden. Ich nahm also mit dem Konsumentenschutz „Beobachter“ Kontakt auf wo wir auch Mitglied sind. Die Rechtsabteilung vom Beobachter gab mir Empfehlungen wie ich weiter vorgehen soll. Parallel dazu zeigte sich die Redaktion an dem Fall interessiert. Ich berichtete Herr Rehmann vom Beobachter detailliert was vorgefallen war.

So telefonierte Herr Rehmann mit der Firma Factor AG um sich persönlich zu informieren. Und siehe da, nur wenige Stunden nach dem Telefongespräch wurden die fehlerhaften Daten korrigiert.

Von Herr Manuel Badzong, Geschäftsführer der Factor AG, erhielt ich ein meiner Meinung nach plumpes Entschuldigungsmail.
Er meint nur, dass meine Daten wunschgemäss angepasst wurden. Dass es so lange dauerte, sei die Schuld des Programmierers gewesen.
Sorry Herr Badzong, damit kann ich nicht viel anfangen. Sie sind der Geschäftsführer und somit verantwortlich, dass ihre Firma mit solchen Firmen- und Personendaten sorgsam umgeht. Es wurde weder auf mein Einschreiben noch auf die drei E-Mails reagiert.
Vielleicht sollte sich mal Hanspeter Thür vom EDÖB mit dieser Plattform auseinander setzen.
Eine Webseite wie databot.ch muss meines Erachtens ein Meldeformular für Datenfehler enthalten. Das Formular muss man von jeder Seite aus mit einem Klick erreichen.
Wenn ein Fehler gemeldet wird, werden die Daten umgehend deaktiviert, bis deren Richtigkeit überprüft und korrigiert wurde.

An dieser Stelle noch ein ganz grosses Dankeschön an die Redaktion des Beobachters. Bereits zum zweiten Mal half mir der Beobachter bei rechtlichen Fragen und Problemen.
Ohne die Unterstützung wären die Daten noch heute falsch publiziert und ich müsste einen nervenaufreibenden und teuren Rechtsstreit führen. Aber ich hätte es getan.

In der Beobachter Ausgabe Nr. 18 vom 18. August 2012 gibt es einen Bericht über diesen Fall und einen ähnlichen, noch mühsameren Fall.
Bericht des ersten Falls von 2009: „Es klingelt und keiner ist dran“

Nach gut drei Monaten hat es geklappt, die falschen Daten wurden korrigiert.

Und zuletzt ein paar Tipps an alle Leute die ähnliches erleben.

> Schreibe möglichst von Beginn an alles auf. Telefon Gesprächsnotizen, Zeitpunkt der Kontakte, Versprechungen der Gegenseite, Namen usw.
> Alle schriftliche Korrespondenz muss per Einschreibebrief stattfinden. Problem schildern, Lösung fordern, Frist setzen.
> Niemals Drohungen aussprechen, auch wenn man noch so verzweifelt ist!
Also z.B. „… wenn Sie nicht das tun, dann verklage ich sie …“. Das könnte als Nötigung ausgelegt werden.
Schreibe „wenn Sie bis am (Datum) das Problem X nicht erledigen, sehe ich mich gezwungen rechtliche Schritte einzuleiten“ Das zeigt einerseits Deine Verzweiflung, anderseits dass es Dir ernst ist.
> Tu es! Wenn Du weitere Schritte angekündigt hast, führe sie durch. Wie man auch in diesem Fall sieht, wurde ich nicht wirklich ernst genommen. Erst als der Beobachter angerufen hatte, geschah etwas.
> Hab Geduld. Die Gegenpartei hat endlos viel Zeit. Lass Dich dadurch nicht zermürben. Bleibe dran, lasse Dir auch mal zwei Wochen Zeit und dann mache weiter.

PS: Ich verzichte hier bewusst auf die Dokumentation der Korrespondenz. Bei Bedarf kann ich diese vorweisen und alles beweisen. Alle Unterlagen habe ich dem Beobachter zur Verfügung gestellt.

One thought on “Für mein Recht gekämpft – Beobachter hat geholfen”

  1. guter Artikel und sehr nützlich, danke für die Tips. Und super dass du für dein Recht gekämpft hast, hat sich ja gelohnt auch wenn es vermutlich Nerven gekostet hat.
    LG Thee

Kommentar verfassen