„Making of“ Kindershooting – Bilder für eine Dienstleistungsbroschüre

Eigentlich nehme ich ja keine Auftragsarbeiten mehr an. Doch keine Regel ohne Ausnahme. 🙂

So kam es, dass ich für einen Auftraggeber zwei Shooting – Sessions durchführte. Die Bilder werden für einen neuen Auftritt der Primarschule im Bereich der Schulergänzenden Angebote und den neuen Webseiten Auftritt verwendet.

Das war eine sehr spannende Arbeit und eine grosse Herausforderung. Mit Kindern ist die Herangehensweise  für ein Fotoshooting etwas anders als wenn man mit Erwachsenen ein Shooting durchführt. Im Vorfeld sammelte ich schon einige Erfahrung bei diversen Kinder Fotoshootings im Fotostudio.

Für diesen Auftrag besuchte ich jedoch vor Ort verschiedene Kinderkrippen, Mittagstische und Kinderhorte.

Vorgehen

Man kann nicht einfach mit einer mega Fotoausrüstung in den Raum platzen und los fotografieren.
Ich benutzte eine ähnliche ‚Strategie‘ wie der berühmte Hundeflüsterer Cesar Millan bei seinen Herrchen/Hunden anwendet. Erstaunt? Hier die Erklärung …
Ich schenkte den Kindern zu Beginn keine grosse Beachtung und begann nicht in der Kindersprache mit den Kindern zu kommunizieren (Oh tütütüt, Du bist aber ein süsses kleines Kerlchen. Brumm, brumm … usw.). Zuerst legte ich die grosse Reporter Tasche auf die Seite, begrüsste die Betreuerinnen und Betreuer und besprach kurz die Bildideen. Danach begab ich mich auf Gesichtshöhe der Kinder. Also setzte ich mich auf den Boden oder kniete neben die Kinder und schaute ihnen einfach mal zu. Sie zeigten mir ohne Aufforderung was sie gerade machen, entspannt und ruhig, wie wenn ich schon lange zum Betreuer Team gehören würde. Erst danach kam die Kamera zum Einsatz. Ich erstellte die ersten Aufnahmen.

Begründung des Vorgehens

Ziel ist es möglichst wenig Aufregung zu provozieren. Kinder wollen fremden Personen alles zeigen was sie haben und was sie können. Wenn ich dann noch zu viel Interesse vorspiele, führt das zu Unruhe und man kann die Kinder fast nicht mehr beruhigen. Um so mehr man die Kinder dann zur Ordnung ermahnen muss, um so weniger gehorchen sie. Wenn sie aber nichts aufregendes entdecken, kein Pseudointeresse erfahren und keinen Druck spüren (Du musst jetzt in die Kamera schauen) verlieren sie schnell ihr Interesse am fremden Mann und spielen weiter.

Vorabdruck der Broschüre:
Werbebroschüre - Schulergänzende Angebote

Sobald ein Kind zu posieren begann, machte ich ein, zwei Bilder, zeigte ihm die Bilder am Kameradisplay und wandte mich dann anderen Kindern zu. So entstand nie ein übermässiges posieren, kein Gedränge und ich musste nie das Objektiv vor Kinderfingern (zeig mal, was hast Du da?) schützen. Bereits nach 10 Minuten klang das Interesse an mir so stark ab, das die Kinder spielten wie sie es immer taten. Die perfekten Fotomotive!

Die gestellten Motive

Es gab natürlich ein Broschüren – Konzept und ich musste ein paar konkret vorgegebene Aufnahmen machen. So auch das Titelbild mit den Daumen. Die meisten Kinder waren sehr stolz, dass sie IHREN Daumen zeigen dürfen. Wenn ein Kind aber keine Lust hatte, musste es seinen Daumen nicht vor die Kamera halten. So war die Daumenserie innert 5 Minuten im ‚Kasten‘. Ich glaube der Gesichtsausdruck des Jungen spricht für die Aufnahmestimmung.

Vorabdruck der Broschüre:
Werbebroschüre - Schulergänzende Angebote

Die Fotorechte

Natürlich wurde im Vorfeld von allen Eltern eine schriftliche Einwilligung eingeholt, dass die Kinder fotografiert und auf der Broschüre veröffentlicht werden dürfen. Es gibt verschiedene Gründe warum Eltern Ihr Kind nicht auf einer Broschüre abgebildet sehen wollen. Das gilt es zu respektieren.
Nun wird es kompliziert. Was macht man, wenn ein Kind vor die Kamera steht welches man nicht fotografieren darf? „He kleines geh weg, Dich darf ich nicht fotografieren.“ Natürlich nicht! Man fotografiert das Kind genau gleich oft wie die anderen, nur muss man sicherstellen, dass keines dieser Bilder auf die Broschüre oder Webseite gelangt. Dazu lässt man das finale Produkt nochmals von den Eltern absegnen.

Viele Bilder, nur wenige erreichen das Ziel

Schlussendlich entstanden beim Shooting über 400 Bilder. Davon wählte die Agentur ganze sechs Bilder für die doppelseitige Broschüre aus. Ein paar Bilder werden für weitere Broschüren und die Homepage verwendet. Der Rest wird zur Makulatur. Das ist eine normale Quote für solche Dienstleistungsaufträge.

Kinder fotografieren macht Spass

Kinder zu fotografieren macht unheimlich Spass.
Um nochmals auf Cesar Millan, den Hundeflüsterer zurück zu kommen. Er arbeitet bei seinen Trainings sehr stark an der Haltung und Entspannung des Hundehalters bevor er mit den Tieren zu arbeiten beginnt. Trotzdem muss man selbstsicher sein und darf keine Angst zeigen.
Ich glaube wenn ich als Fotograf eine entspannte, ruhige und trotzdem selbstsichere Haltung einnehme, kann ich erfolgreicher Kinder fotografieren und erhalte dadurch tolle Bilder.

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