Wozu braucht man ein ND Filter? Ein ND Filter (Neutraldichtefilter) benötigt man, damit z.B. solche Aufnahmen entstehen:

Bearbeitete Version
Final bearbeitete Version der schottischen Brücke

 

Wikipedia beschreibt ausführlich was ein ND Filter ist und welches Filter was bewirkt. Denn es gibt diverse ND Filter mit verschiedenen und z.T. auch verwirrenden Bezeichnungen.

Das ND Filter kurz erklärt

Ganz einfach beschrieben ist ein ND Filter nichts anderes als ein Abdunkler. Um so höher der ND Faktor um so mehr wird das Motiv abgedunkelt. Brauchen kann man das für folgende zwei Situationen.

  • Es hat so viel Licht, dass die Kamera bei der gewünschten Blendenöffnung nicht kurz genug belichten kann und somit das Bild überbelichtet wird. Durch das ND Filter reduziert man die Belichtungszeit z.B. von 1/16000 Sek. (was die wenigsten Kameras können) auf 1/2000 Sek. (was jede Digitalkamera kann).
  • Man möchte viel länger belichten als es möglich ist um z.B. Wasser weich zu zeichnen oder oder die Wolken verlaufen zu lassen. Mit Hilfe eines ND 1000 Filters kann ich z.B. anstatt mit 1/8 Sek. ganze 8 Sekunden lang belichten und das Bild ist trotzdem nicht überbelichtet.

Weichzeichnung bringt Ruhe ins Bild

Das folgende Bild habe ich ohne ND Filter aufgenommen. Das Wasser wird knackescharf abgebildet. Verglichen mit dem ersten Bild wirkt diese Aufnahme irgendwie ‚Nervös‘. Es ist sehr unstimmig, weil die Brücke durch die tausenden einzelnen Steine eine feine, sehr lebendige Struktur aufweisen. Gleichzeitig hat das Wasser ebenfalls eine feine und ‚komplexe‘ Struktur. Das Auge findet keinen Anhaltspunkt wo es verweilen kann. Das Bild mit dem ND Filter hingegen strahlt eine gewisse Ruhe aus, obwohl die Wetter Stimmung eher bedrohlich wirkt. Das Wasser wirkt surrealistisch aber das fein strukturiert Stein Mauerwerk gibt dem ‚lesenden‘ Auge den nötigen Haltepunkt.

Originalaufnahme ohne ND Filter und ungünstige Perspektive
Brückenbild ohne ND Filter aufgenommen

 

Der unangenehme Nebeneffekt

Leider haben die ND Filter einen sehr unangenehmen Nebeneffekt. Je nach Qualität und Preisklasse des Filters entsteht ein mehr oder weniger massiver Farbfehler bei der Aufnahme.

Eingangs gezeigte Langzeit Aufnahme sah nämlich ursprünglich so aus:

Originalaufnahme mit ND1000 Filter und entsprechendem Farbfehler
Originalaufnahme mit ND1000 Filter und entsprechendem Farbfehler

 

Somit ist klar, wer mit ND Filtern arbeitet kommt um eine nachträgliche Farbkorrektur nicht herum. Ich benutze dazu das „Weissabgleich“ Werkzeug von Lightroom. Es ist eine virtuelle Pipette mit welcher ich einen Farbneutralen Punkt anklicke. Lightroom errechnet darauf die nötige Farbkorrektur. Dabei ist es egal ob die Fläche Dunkelgrau, Hellgrau oder sogar Weiss ist. Es muss einfach eine Fläche sein die eigentlich keine Farbe hat. In diesem Fall kann ich den Weissabgleich auf die Brücke (Graue Steine) oder auf einen der Steine im Wasser beziehen. Vorsicht, auch ‚farblose‘ Objekte können eine Farbe haben (z.B. Schnee unter blauem Himmel). In diesem Fall wird ein Bild unter Umständen in die falsche Farb-Richtung korrigiert.

Schlussendlich habe ich mich bei meinem Langzeit Brückenbild aber bewusst für einen warmen Farbton entschieden. Dadurch veränderte sich die Farbe der Brücke von Grau in Richtung Sepia/Braun. Auch das Wasser entspricht in keiner Weise mehr dem original schwarz/braunen Farbton.

Welches ND Filter?

Ich persönlich empfehle ein ND 8 und ein ND 1000 Filter. Das ND 1000 Filter verlängert die Belichtungszeit um das Tausendfache (10 Blenden). 1/1000 Sekunde wird mit dem ND 1000 zu einer Sekunde Belichtungszeit. Das ND 1000 benutze ich daher hauptsächlich für verschwommene Wolkenbilder und stark weichgezeichnetes Wasser. Das ND 8 Filter hingegen reduziert das licht nur um 3 Blenden. Dieses Filter benutze ich wenn ich die Belichtungszeit nur ein wenig korrigieren möchte. Also z.B. offene Blende bei sehr viel Licht.

Scharfstellung

Bei ND 1000 und noch stärkeren Filtern muss man noch etwas beachten. Je nach Fokus Technik der Kamera schafft es der Autofokus der Kamera nicht unter Umständen nicht mehr scharf zu stellen. In diesem Fall muss man das ND Filter abnehmen, fokussieren, Fokus auf Manuell umstellen und das Filter wieder aufschrauben. Beim aufschrauben muss man jedoch aufpassen, dass der Fokus nicht verstellt wird. Die Olympus OM-D E-M5 (+Mark II) hat kein Problem mit einem ND 1000 Filter zu fokussieren.

Scharf aufnehmen

Als zweites gilt besonders bei Langzeitbelichtungen Stativpflicht. Ohne Stativ ist es bei Belichtungen jenseits von einer Sekunde unmöglich ein scharfes Bild aufzunehmen. Also zu einem ND 1000 Filter gehört immer auch ein Stativ mit ins Gepäck.

Aufnahmestandort

Die Aufnahme entstand in Schottland bei Invercassley am River Cassley. Ein Ort wie man ihn zu hunderten entdecken kann. Vom Auto aus sieht eine Brücke wie die andere aus. Für solche Motive lohnt es sich einfach spontan bei der einen oder anderen Brücke kurz zu halten und nachzusehen. Gerade wer tagsüber unterwegs ist (wie es die meisten Reisenden tun) erwischt oft ungünstige Lichtverhältnisse. Doch mit etwas Bildbearbeitung kann man trotzdem eine spannende Lichtstimmung zaubern. Wer wirklich perfekte Lichtstimmungen sucht muss in Schottland sehr früh aufstehen oder Abends spät auf die Pirsch gehen.

Wie man auf der Luftaufnahme sieht, hat es an diesen beiden River noch einige Sandbänke die bestimmt tolle Motive bieten. Für ein ultimatives Bild müsste man hier aber locker 2 Stunden Zeit aufwänden und die Gegend zu Fuss erkunden. Wenn ein guter Standort gefunden wurde, muss man nur noch die passende Licht / Wetterstimmung abwarten.

Wer wie wir ’nur‘ vier Wochen Ferien pro Jahr zur Verfügung hat, wird jedoch kaum so ‚vergiftet‘ nach den ultimativen Fotomotiven suchen. Wer das trotzdem mal machen möchte sollte sich überlegen eine Fotoreise zu buchen.

Invercassley - River Cassley
Invercassley – River Cassley auf Google Maps

 

Fotografieren mit ND 1000 Filter

Hier noch ein paar weitere Schottland Aufnahmen mit Hilfe des ND Filters:

Schottland Tag 8
Schottland Tag 8

 

Schottland Tag 9
Schottland Tag 9

 

Schottland Tag 8
Schottland Tag 8

 

Schottland Tag 6
Schottland Tag 6

2 thoughts on “Langzeitbelichtung am Tag mit ND1000 Filter

  1. Herrliche Fotos, danke fürs teilen. Schottland ist echt wunderschön und steht auch auf meiner fotografischen Wunschliste.
    Der ND1000 ist natürlich auch ein echt dicker Blocker, interessant dass die neue Oly da noch fokusiert. Ich persönlich nutze die Stylus 1 mit dem eingebauten ND8. Zusätzlich habe ich noch einen ND64 und einen ND1000. Bei ND1000 muss ich immer vorher fokusieren und dann mit manuellem Fokus weiterarbeiten. Bin jetzt wenn ich mehr Zeit habe dazu übergegangen auf hyperfokale Distanz manuell zu fokusieren. Bei der Stylus ist der Schärfebereich durch den kleinen Sensor eh riesig.

    Danke für deine immer sehr interessanten Blogeinträge und viele Grüße
    Jens

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