„Wow, was für ein mega cooles Reisefoto!“ Diese Gedanken gehen mir oft durch den Kopf wenn ich mir Landschaftsbilder von ambitionierten Hobby- und Profifotografen anschaue. Ein bisschen neidisch denke ich dann, solche Bilder möchte ich auch gerne machen!

Doch wie entstehen solche Aufnahmen?

In Fachbüchern, Fotomagazinen, einschlägigen Foren und Bildergalerien werden unzählig viele wunderschöne Reisebilder gezeigt. Manchmal entsteht bei mir das Gefühl, dass Jede und Jeder solche Bilder machen kann, nur mir selbst gelingt dies nicht. Wieso können einige Leute so tolle Bilder auf ihren Reisen / Fotoreisen schiessen?

Nun, eigentlich wissen wir ja mehr oder weniger wie es geht. Nur bei der Umsetzung hapert es dann immer wieder. Auf unserer Zypernreise vom 2.-16 Mai 2015 versuchte ich es wieder einmal, nachdem mir 2014 auf unserer Schottland Reise bereits ein paar tolle Bilder gelungen sind.

Diese Aufnahme schaffte ich nur dank guter Vorbereitung. Der Zufall bereicherte die Aufnahme zusätzlich um ein spannendes Element, einem Fischerboot.

Agioi Anagyroi Cave
Agioi Anagyroi Cave – Morgens um 5:50 Uhr aufgenommen

 

Vorbereitung

Um die Chance auf ein paar wirklich gute Reisebilder zu erhöhen sollte man sich bereits vor der Reise gut vorbereiten.

– Reisegegend auf Google Earth nach schönen Locations absuchen
– Im Internet nach Tipps und Tricks aus der Gegend googeln
– Möglichst viele Informationen über die Reisedestination sammeln
– Passende Fotoausrüstung zusammenstellen
– Bildideen notieren und dokumentieren
– Smartphone App besorgen welche die Sonne, den Mond und evt. Milchstrasse am Reiseziel zeigen und deren Positionen, Auf- und Untergänge berechnen
– Smartphone App besorgen für möglichst genauen Wetterbericht

Die gesammelten Informationen aus dem Internet kopiere ich mit Beispielsbildern in ein Word Dokument. Wenn es keinen festen Reisestandort gibt, sollte man zudem die geplanten Motive auf der geplanten Reiseroute einzeichnen. Auf Zypern logierten wir dieses Mal die ganze Zeit in Aya Napa und so gab es keinen Zeitplan einzuhalten.

Mit der iPhone App PhotoPills kann man jeden Standort auf der Erde zu jedem beliebigen Zeitpunkt anpeilen und schauen wann dort die Sonne aufgeht, wo sich die Milchstrasse befindet und ob der Mond gerade ‚voll‘ oder ‚leer‘ ist. Dazu verrät die App wann die ‚rote-‚ resp. die ‚blaue Stunde‘ stattfindet und wie lange die Ereignisse dauern.

PhotoPills
PhotoPills – Zeit, Winkel und Richtung von Sonnen- und Mond Auf- und Untergang

 

Die App bietet jedoch noch viel mehr. Mann sieht auf einer Karte in welche Richtung die Sonne auf- und unter geht. Bei meiner Höhlenaufnahme fand ich durch die App heraus, dass ich den Sonnenaufgang von der Höhle aus sehen kann. Ein Sonnenuntergang schloss sich bei der Agio Anargyroi Cave somit schon im voraus aus. Wichtig, damit die App im vollen Funktionsumfang genutzt werden kann benötigt sie einen Internet Zugang. Da ich kein Datenroaming löste benutzt ich immer das WiFi Lan im Hotel.

Was auch ohne Internet funktioniert ist die augmented reality Ansicht von Sonne. Mond und Milchstrasse. Da die Cave nur 20 Autominuten vom Hotel entfernt lag, schauten wir uns diese mal an einem Abend an. Trotzdem konnte ich mit PhotoPills den Sonnenaufgang simulieren. Einfach mit dem Finger von rechts nach links streichen bis das gewünschte Datum und die passende Zeit erreicht wird. Im folgenden Screenshot sieht man dies sehr gut.

PhotoPills
PhotoPills – Sonnenaufgangszeit und Ort exakt im Voraus bestimmen

 

Um 5:44 Uhr befand sich die Sonne im ‚roten‘ Bereich. Die Strahlen erleuchteten bereits den Horizont, man konnte die Sonne jedoch noch nicht sehen. Erst kurz vor 7 Uhr zeigt sich die Sonne an diesem Standort (Beispiel vom Hotelzimmer Balkon aus).

Vorsicht, der Kompass stimmt nicht immer zu 100% wie man am folgenden Bild sieht. Aber für eine grobe Beurteilung zur Vorbereitung reicht es alleweil.

PhotoPills - iPhone App
Augmented reality – Wann geht wo die Sonne unter?

 

Genug Zeit einplanen

Zurück zu meinem Beispiel. Wir wussten also exakt, wann die Sonne aufgehen wird, wie lange wir fahren müssen und entsprechend, wann der Wecker uns aus dem Ferienschlaf holen soll.
Um 5 Uhr in der Früh konnten wir nur zum Kamerarucksack greifen und starten. Ausrüstung wie auch Stativ, Mückenspray und eine leichte Jacke bereiteten wir bereits am Abend vor um am Morgen so lange wie möglich liegen zu bleiben.

Nachdem am Vorabend russische ‚Babuschkas‘ mit Selfie Sticks bestückt die Hölle für ‚Fotoshootings‘ in Beschlag nahmen, waren wir am morgen froh, die Einzigen zu sein. Mehrmals mussten wir erfahren, dass es gewissen russischen Touristinnen an jeglichem Anstand fehlt. So kam bei einem Wasserfall eine ganze Schar an leicht bekleideten, russischen Bikini Girls an. Die stellten sich einfach in unser Bild und begannen mit posieren. Nach 15 Minuten trafen weitere Girls ein und wir verliessen den Wasserfall ohne weitere Bilder machen. Beim bekannten Lebensbaum fuhren wir mehrere Male vorbei wo gerade russische Hochzeitsshootings stattfanden. Pictures? No chance.

Trotz berechneter Zeit war es höchste Zeit mit ein paar Testaufnahmen zu beginnen. Das folgende Bild habe ich heute mit der neuen Lightroom Panorama Funktion, mit nur einem Klick innert weniger Sekunden erstellt. Wohlgemerkt aus zwei 9mm (18mm Kleinbild) Weitwinkel Aufnahmen! Früher konnte man mit Mühe aus 50mm Aufnahmen ein Panorama zusammen bauen. Adobe Photoshop Lightroom CC kann solche Aufnahmen jedoch problemlos entzerren und zu einem hochwertigen Panorama zusammen bauen.

Agioi Anagyroi Cave
Agioi Anagyroi Cave – Jede Sekunde kann die Sonne auftauchen

 

Jetzt pressiert es

Die Zeit der Auf- oder Untergangs geht dann ganz schnell. Es bleiben nur wenige Minuten um das gelungene Foto aufzunehmen. Ich entschied mich zuerst mit dem ND1000 Filter (hier ein Bericht was ein ND1000 Filter ist) zu fotografieren. Dadurch entstand eine Serie mit sehr kitschig anmutenden Farben und einem fast glatten Meer.

Agioi Anagyroi Cave
Agioi Anagyroi Cave – Langzeitbelichtung mit ND1000 Filter (8 Sek.)

 

Wenn Glück ins Spiel kommt

Während ich so ein Bild um das andere schoss hörte ich ein Motorboot. Blitzartig schraubte ich das ND1000 Filter vom 9-18mm Weitwinkel. Denn mit einer Belichtungszeit von 8 Sekunden kann man kein Motorboot fotografieren. Kaum war das Filter abgeschraubt fuhr das Fischerboot bereits durch die Szenerie. Für ein Kamerastandort Wechsel war keine Zeit mehr. Es reichte genau für 11 Bilder bis das Boot wieder aus dem Blickfeld verschwand. Zeit um die Einstellungen anzupassen blieben nicht. Zum Glück stand die Kamera wie fast immer auf A (Aperture, Zeitautomatik). So stimmte die Belichtung einigermassen. Wegen dem starken Gegenlicht der Sonne waren die Bilder leider etwas zu stark unterbelichtet. Hier vermisste ich definitiv meine Nikon D800 welche diese Bilddynamik locker verkraftet hätte. Die Olympus OM-D E-M5 Mark II hat einen geringeren Dynamikumfang und so rauschen die Aufnahmen in den dunklen Bereichen sehr stark.

Agioi Anagyroi Cave
Agioi Anagyroi Cave – Sonnenaufgang mit vorbeifahrendem Fischerboot

 

30 Minuten

Nun stellte ich die Kamera, welche die ganze Zeit auf dem Stativ stand, an ein paar unterschiedliche Stellen auf. So gelangen noch ein paar schöne Lichtstimmungen. Ich war so mit der Kamera beschäftigt, dass ich plötzlich mit beiden Schuhen im Salzwasser stand.

Agioi Anagyroi Cave
Agioi Anagyroi Cave – Wunderschönes und sauberes Mittelmeer Wasser

 

Also schnell in die Höhe flüchten und die nassen Füsse ignorieren und weiter fotografieren.

Agioi Anagyroi Cave
Agioi Anagyroi Cave – Ein Stativ ist oft sehr hilfreich.

 

Wir konnten knapp 30 Minuten lang fotografieren und so entstand eine tolle Serie an schönen Ferienbilder die eben nicht zufällig entstanden sind, sondern die geplant und gezielt durchgeführt wurden.

Agioi Anagyroi Cave
Agioi Anagyroi Cave – Sonnenaufgangsstimmung bei 320 Sonnentage im Jahr

 

Üben, üben, üben

Die Aufnahmen liegen immer noch weit weg von dem was mir jeweils vorschwebt. Aber es sind motivierende Ergebnisse um weiter solche Bilder zu planen und umzusetzen. Ich denke, um so mehr man solche Bilder plant, um so grösser wird die Chance dass man selber mal den einen oder anderen Top-Shot schafft. Und vielleicht schafft es das eine oder andere Bild mal in eine Galerie, in ein Foto-Magazin oder gewinnt bei einem Foto-Wettbewerb. Dafür nehme ich diesen Aufwand gerne in Kauf und ‚arbeite‘ weiter an meinen Bildern. Ich möchte aber auch Euch motivieren mal das eine oder andere Ferienbild zu ‚planen‘.

Kompromiss

Als ambitionierter Hobby Fotograf darf ich aber nicht vergessen, dass es in erster Linie um Ferien geht. Ferien zusammen mit meiner lieben Karin. Und sie soll ja auch was davon haben und nicht nur mit mir dem ultimativen Hammer Bild nachjagen.

Ich hoffe das ist mir zumindest ein bisschen gelungen. Zusammen haben wir in den zwei Wochen inkl. 1300 Timelapse Bildern gut 4800 Bilder gemacht. Doch hinter den wenigsten Aufnahmen steckt ein so grosser Aufwand dahinter wie hier beschrieben. Wir sind nur zwei Mal so früh aufgestanden und einmal war ich alleine bis um 2 Uhr in der Nacht unterwegs auf der Jagd nach der Milchstrasse. Trotz der 1800km mit dem Mietwagen blieb Zeit um im Meer und im Hotelpool ein paar Runden zu schwimmen. An den 13 Abenden genossen wir in 12 verschiedenen Restaurants super Nachtessen. Als wir in Famagusta verboternerweise die ‚tote Stadt‘ Varosha fotografierten wurde es mal brenzlig. Mir war nicht klar, dass die Türken die Besetzung dieses Gebietes so ernst nehmen und wir so kamen wir ziemlich dran. Dies ist aber eine andere Geschichte.

Fazit

Wenn es Euch gleich geht wie mir und ihr unbedingt mal ein super Foto schiessen möchtet, dann versucht doch mal ein Foto zu ‚planen‘. Ich bin sicher, ihr werdet überrascht sein wie viel das bringt. Sicher wird man nicht nur wegen einer guten Planung zu einem super Profi Fotografen. Es wird aber zu dem einen oder anderen gelungenen Bild verhelfen. Viel Spass! 🙂

Zypern

Es wird also in der nächsten Zeit noch einiges über Zypern zu berichten geben. Ich möchte auch eine Auswahl von Bildern unserer Zypernreise zeigen und berichten. Insbesondere über das Thema „Zypern – Feriendestination für Fotografen?“ Bei dieser Gelegenheit kann ich auch über meine Erfahrung mit der neuen Olympus OM-D E-M5 Mark II berichten wie auch über das Weitwinkel M.ZUIKO 9-18mm und das M.ZUIKO 112-40mm f/2.8.

Kommentar verfassen