Kurz vor unserer Schottland Reise hatte ich die Gelegenheit, die wohl leistungsfähigste Taschenkamera auf dem Markt zu testen.

Warum mich die Kompaktkamera Sony RX100 V sehr begeisterte und warum ich sie trotzdem nicht behalten habe, das schreibe ich in diesem kurzen Praxistest.
Die Kamera wurde mir freundlicherweise von Digitec zur Verfügung gestellt.

Die Sony RX100 V Kompaktkamera liegt gut in der Hand und passt in jede Hosentasche.

 

DIE TECHNIK

Die technischen Daten der Kamera lassen sich lesen. 20MP Bildauflösung, 1″ Bildsensor, Phasendetektions-Autofokus mit 315 Fokus Punkten, bis zu 24 Bilder/Sek., Klappdisplay, Bildsucher usw. Die genauen technischen Daten kann man auf der Sony Homepage nachlesen.

Doch heute gibt es ja fast keine Kamera, die auf dem Papier nicht überzeugen würde. Für mich zählt daher wie immer die praktische Handhabung und was ich als Endresultat herausholen kann. Dafür brauche ich keine Labortestes wo die Zeilenauflösung gemessen wird, den Messwert der Beugungsunschärfe oder den Datendurchsatz der Speicherkarte. Ich will wissen wie mir die Kamera in der Hand liegt, ob ich Sie gut bedienen kann und was für Bilder ich damit herausholen kann.

Sony RX100 V mit ausgefahrener Zeiss Optik

 

DIE KAMERA FÜR STÄDTETRIPS

Ich hatte die Kamera zwar zwei Monate zum Test Zuhause, leider jedoch nur wenige Stunden Zeit um sie auszuprobieren. Doch ganz viel Eindrücke bekommt man bereits in den ersten Minuten. Wo soll ich nur anfangen?

Der Grund, warum ich mir die RX100 genauer anschauen wollte entstand auf dem letzten London Weekend Tripp. Ich packte mal wieder die gesamte Olympus Ausrüstung in den Fotorucksack, welcher mir gleich 2/3 des Handgepäcks füllte. Auf der Heimreise wurde ich am Heathrow Airport mit meinem 10kg Handgepäck entlarvt, der Koffer wurde ‚beschlagnahmt‘ und meine geliebte Fotoausrüstung wurde in den Gepäckraum verfrachtet.

Die Sony RX100 V verleitet zu praktisch keiner Zusatzausrüstung. Es brauch ein Ladegerät, ein Stativ und zwei, drei Reserve Akkus. Das ganze passt problemlos ins Handgepäck und wiegt nur wenig. Hier punktet die RX100 mit 100 Punkten.

Die V5 der RX100 ist zwar etwas dicker, aber sonst kleiner als z.B. ein iPhone 6

 

KLEIN UND FUMMELIG ABER OHO

Auch unterwegs passt die Kamera in die Hosentasche und ist immer griffbereit für einen Schnappschuss. Mehr als genug für einen kurzen Städtetrip.

Der ausfahrbare Sucher ist für mich ein sehr wichtiges Feature. Ein bisschen fummelig die ganze Sache, aber das ist der Preis für eine so kleine Kamera. Das Klappdisplay macht nicht so einen stabilen Eindruck, erfüllt aber einen wichtigen Zweck. Ich mache gerne Bilder in Bodennähe, welche ich dank dem Display ohne auffällige Verrenkungen ausführen kann. Zum fotografieren liegt die Kamera überraschend gut in der Hand. Man hält sie gar besser in der Hand als ein Querformat Smartphone.

Wasserdicht ist sie nur mit Unterwassergehäuse

 

DIE BEDIENUNG, MEIN KO KRITERIUM

Kommen wir gleich zum Punkt, warum ich die Kamera nicht behalten habe. Es ist eher ein persönlicher Grund als ein technischer. Es geht um die Bedienung der Kamera. Ich konnte mich während der Tests in keiner Weise an die Bedienung der Kamera gewöhnen. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich aktuell fast nur noch Olympus Kameras einsetze. Die kleine Sony hat einen ähnlich erschlagenden Funktionsumfang wie Olympus. Jedoch liegen mir die Knöpfe nicht am richtigen Ort und ich vermisse ein paar Drehräder. Zwar hat es vorne beim Zoom einen grossen Drehring. Doch ich schaffte es nicht, mit wenigen Griffen jeweils die Funktion auf das Drehrad zuzuweisen. Vermutlich eine Übungs- und Gewöhnungssache. Die komplexe Bedienung wird denn auch in anderen Testberichten teilweise bemängelt. Wofür ich jedoch überhaupt kein Verständnis finde, ist der fehlende Touchscreen. Damit könnte Sony ‚mein‘ Manko wohl problemlos gut machen.

Vermutlich bin ich diesbezüglich einfach etwas wählerisch. Es ist, nebst der schlechteren Haptik, auch der Hauptgrund warum ich mich mit den aktuellen Systemkameras von FujiFilm nicht anfreunden konnte.

Sucher und Klappdisplay sind wichtige Features, Touchscreen fehlt leider

 

STOLZER PREIS, ABER SIE IST ES WERT

Damit bin ich mit der Kritik (auf hohem Niveau) auch schon fast durch. Da wäre nur noch der stolze Preis, mit dem die Kamera zu Buche schlägt. Wenn das Budget nicht reicht, resp. wenn man die RX100 als Dritt- oder gar Viertkamera beschafft, kann man sich auch durchaus überlegen, eine der wesentlich günstigeren Vorgänger Modelle (V2, V3 oder V4) zu kaufen. Denn auch die Vorgängermodelle waren ähnlich Leistungsstark. Wer beim schnellen Fokus und beim Zoombereich etwas Abstriche machen kann, sollte sich die günstigeren Modelle anschauen.

2.9-facher optischer Zoom. Ein bisschen mehr wäre schön

 

DIE UNSCHLAGBARE QUALITÄT ‚DER KLEINEN‘

So, nun aber zum wichtigsten, den Bildern. Und hier hat mich die kleine 20 Megapixel Kamera ganz schön begeistert. Sony, die selber Kamerasensoren herstellen, gehören hier durchaus zur Spitze. Gerade in höheren ISO Bereichen, lässt die Kleine meine Olympus OM-D Kameras erblassen. Mit 20 MP benutz Sony die perfekte Auflösung für den wohl grössten Teil der Anwendungen. Man hat genug Bild um im Postprozess etwas am Bild abzuschnippeln. Die RAW Bilder sind etwas über 20 Megabyte gross, die JPG’s bewegen sich um die 9 bis 13 Megabyte.

Es hat wenig Tasten, die Bedienung läuft über viele verschachtelte Menüs ab.

 

FARBEN SATT

Die Bilddynamik ist einfach umwerfend und das Bildrauschend ist sehr gering bis zu den höheren ISO Werten. Dazu kommt die fast unheimliche Schärfe. Einzig beim Weissabgleich gab es bei meinen Tests mal eine Überraschung. Zwei praktisch identische Aufnahmen drifteten mit dem Weissabgleich weit auseinander. Keine Ahnung wie das Zustande kam. Aber auch die Farben sind sehr satt und natürlich. Die abgelieferten JPG Bilder sind sehr gut verarbeitet. Wer jedoch mit Adobe Lightroom oder gar Photoshop arbeitet, muss ganz klar im RAW (bei Sony sind das .ARW Dateien) Format arbeiten. Wenn auch nicht so fest wie bei der Olympus Stylus 1, sind durchaus JPG Artefakten zu erkennen. Darum unbedingt die Vorteile der RAW Aufnahmen nutzen.

Hier versagen bereits die meisten Smartphones, Offenblende für tolle Tiefenschärfe

 

FAZIT

Mein Fazit zur Sony RX100 V fällt insgesamt sehr gut aus. Ich habe mich nur gegen die Kamera entschieden, weil mir die Bedienung überhaupt nicht lag. Wer sich mit der Sony Bedienung anfreunden kann, findet mit der RX100 jedoch einer super gute Kompaktkamera, die weit über dem liegt was eine Smartphone Kamera bietet. Durch die kompakte Bauweise muss man sich bei Fernreisen keine Gedanken über Grösse und Gewicht machen. Mit der Kamera gelingen wahnsinnig gute Aufnahmen, auch wenn es Dunkel ist. Der Preis ist ganz stolz, und dazu empfehle ich mindestens zwei zusätzliche Akkus, sowie ein paar Speicherkarten.

Ein Mix von Olympus und Sony, würde wohl zu einer Super Kompaktkamera führen. Ein besseres Bedienkonzept mit mindestens einem Drehrad mehr, ein Touchscreen, dazu das vorteilhafte Ladekonzept von Sony (Laden via USB Kabel – das muss Olympus erst noch lernen) und dazu der gute 1 Zoll Sensor von Sony. Ein noch leicht erweiterter Zoombereich und schon haben wir eine Sonolympus. 🙂

Wer auf der Suche nach einer super kompakten Kamera ist, welche gut im Automodus fotografiert und trotzdem zu 100% manuell kontrollierbar ist, der Anspruch auf sehr gute Bildqualität hat, der muss sich die Sony RX100 V unbedingt mal näher anschauen.

Wer die Kamera am liebsten gleich morgen haben möchte bestellt sie am besten bei Digitec.

NACHTRAG (2.6.17)
Bin gerade noch auf einen Blog Bericht von nachbelichtet.com gestossen. Markus Dollinger schreibt da sehr interessant über das ältere Modell RX100 III. Er analysiert den Bedarf einer Ferienkamera und kommt zum Schluss, dass eine so kleine aber leistungsfähige Kamera in den meisten Fällen total reicht.

Das Zoom Objektiv lässt auch Nahaufnahmen zu.

 

BILDER

Nachfolgend noch ein paar Bilder die an einem sonnigen und an einem regnerischen Tag in unserem Garten entstanden.

Kräftige Farben aus dem RAW Bild geholt.

 

Hier switchte der Weissabgleich zwischen dieser …

 

… und dieser Aufnahme massiv.

 

Die Kamera verleitet zu schönen Nahaufnahmen

 

Die Schärfe der RX100 V überzeugte mich zu 100%

 

Die meisten Aufnahmen erstelle ich im A (Aperture – Zeitautomatik) Modus. Die Sony meistert das tadellos.

 

Sony RX100 V Kompaktkamera

 

Gegenlichtaufnahme – Auch Sony kommt gut ohne Streulichtblende aus.

 

Mit dem Autofokus hatte ich so meine Mühe. Ich möchte den Schärfepunkt selber bestimmen. Ohne Touchscreen eher schwierig.

 

Die Kamera ist sehr schnell. Da kann man nichts beanstanden.

 

Die Bilder habe ich mehrheitlich im RAW Format aufgenommen und nachbearbeitet.

 

Jedoch erreicht man mit JPG Aufnahmen bei einfachen Lichtverhältnissen wie hier auch so gute Ergebnisse.

 

Blende f4 und 1/125 Sek. / ISO 125

 

Blende f1.8 und 1/500 Sek. / ISO 125

 

Blende f8 und 1/30 Sek. / ISO 125

 

Vergleich Zoom bei 8.8mm (24mm KB äquivalent)

 

Vergleich Zoom bei 25.7mm (70mm KB äquivalent)

 

Sony RX100 V Kompaktkamera

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