Es ist mal wieder „diese“ Zeit im Jahr. Die, in der auf der Arbeit gefühlt mindestens die Hälfte der Kollegen fehlt, weil sie alle auf Menorca, in Irland oder sonst wo unterwegs sind, wohin sich Herr und Frau Schweizer gern begeben, wenn sie das Land verlassen. Nichts gegen andere Länder, da gibt es auch in Sachen Fotografie so einiges, was man hier schlicht nicht findet und wer mich kennt, weiss, dass ich immer ein gewisses Reisefieber-Level habe. Aber warum nicht einmal die alte Heimat per Velo erkunden? Das ist günstig, steigert im Gegensatz zum Billigflieger auch nicht den ökologischen Fussabdruck und ganz nebenbei kann man sich in Sachen Landschafts- Street- und Architekturfotografie mal so richtig austoben – ohne Gewichtslimit fürs Handgepäck. Für diesen Artikel habe ich mir mal Gedanken gemacht, wie ich sowas aufziehen würde.

Die Technik: Leicht aber viel

Die Verlockung ist schon ziemlich gross, denn mit einem E-Bike könnte man noch mehr Ausrüstung auf den Trip mitnehmen. *2)

Das vielleicht beste am Fahrrad ist, dass man nicht alles auf seinem Rücken bzw. seinen Beinen schleppen muss. Klar, der Rucksack gehört dazu, aber mit der Möglichkeit, vorn und hinten am Velo durchaus voluminöse Taschen zu montieren, erübrigt sich auch ein grosser Teil des beliebten Fotografen-Reisespiels „was darf mit, was bleibt daheim?“. Vor allem aber hat der Handel mittlerweile auch die radelnden Fotografen als Zielgruppe erfasst und bietet Fahrradtaschen an, die mit all den Aufteilungen aufwarten können, die man auch von jedem Fotokoffer aus kennt.

 

Für halbwegs sattelfest trainierte Radler empfehle ich deshalb: Greift ruhig in die Vollen. Selbst eine sehr grosse Vollformat-Kamera wie Nikons D5 und erst recht ein vergleichsweise kompaktes Gerät wie die Olympus OM-D E-M1 Mark II merkt man kaum, wenn alles in den Seiten- oder Satteltaschen steckt – wenn man es richtig reinsteckt wohlgemerkt. Und aus genau diesem Grund würde ich mich für eine solche Tour auch nicht auf „das eine“ Reiseobjektiv festlegen, sondern eine gewohnte Kollektion auch mehreren Optiken dabeihaben. Und dass ein kleines Stativ auch nicht ins Gewicht fällt, wenn man es auf dem Gepäckträger montiert, sollte auch klar sein. Und hey: Selbst wer es richtig drauf anlegt, kann seine Ausrüstung auch immer noch in einen Fahrradanhänger packen, da gibt es ja auch Modelle, die nur für Lasten konzipiert sind. So gesehen liesse sich selbst meine ganze Mallorca-Ausrüstung ohne nennenswerten Komfortverlust am Velo montieren

Die persönliche Ausrüstung: Bloss nicht oldschool

Mann fährt auf dem Fahrrad im strömenden Regen einen Anstieg hinauf
Auch wenn ich nicht regenscheu bin: So wollte ich nicht enden. In dem Fall sässe ich längst samt Velo unterm Poncho. *3)

Wir alle haben unsere persönlichen Dinge, die wir beim Fotografieren draussen anziehen. Ein Bekannter von mir schwört beispielsweise auf einen wirklich uralten Anorak, der irgendwann mal Dienst bei irgendeiner Marine tat – dick gewebte, dunkelblaue Baumwolle und auch ohne High-Tech absolut wind- und wetterdicht. Bloss ist das Ding wirklich bleischwer und ich frage mich immer, warum er sich so ein Gewicht antut, wenn er mit der Kamera über Stock und Stein kraxelt (er ist leidenschaftlicher Naturfotograf). Bei der Velo-Fotosafari würde ich solcherlei Sentimentalität bleiben lassen und so modern denken, wie ich es auch bei der Fotoausrüstung tue. Und so kristallisiert sich in meinen Augen ein ziemlich präziser Anforderungskatalog heraus, den man auch beachten sollte:

  • Oberkörper und Beine sollten von modernen Velofahrer-Stücken aus Kunstfaser bedeckt sein. Die sind nicht nur von Schnitt und Polsterung darauf ausgelegt, stundenlang im Sattel zu sitzen, sondern trocknen auch blitzschnell, sodass man nicht auskühlt – immerhin bekommt man ja, selbst wenn man langsam radelt, andauernd 15, 25km/h Wind von vorne. Man wirkt damit zwar ein wenig nach Tour de France, aber bei der Fotosafari geht es ja auch darum, den ganzen Tag draussen zu sein.
  • Auf den Kopf gehört ein Helm – kein Aber. Das Ding reduziert die Wahrscheinlichkeit für schwere Kopfverletzungen um bis zu 60% und angesichts der heutigen Leichtgewichte gibt es schlicht keine Ausrede mehr – zumal der Helm auch der ideale Platz ist, um eine GoPro zu montieren und die Dokumentation der Velo-Safari um einen weiteren Punkt zu bereichern.
  • Ob man spezielle Fahrradschuhe inklusive Klick-System an den Pedalen nimmt, halte ich persönlich für eine Geschmackssache. Und weil es bei der Tour ja auch nicht um Höchstleistungen geht und man mit solchen Tretern nur sehr schlecht gehen kann, halte ich sie für verzichtbar, denn ich will auch mal ein paar Meter abseits gehen können, ohne wie auf Eiern zu laufen.

 

Überdies würde ich dann auch noch einen wirklich riesigen Poncho mitnehmen, wie man sie manchmal bei Naturfotografen sieht. Da bekommt man nämlich im Zweifelsfall nicht nur sich selbst, sondern die ganze Ausrüstung drunter untergebracht, falls ein Platzregen dazwischen grätscht.

 

Die Gadgets

Zugegeben, ich mag Gadgets. Die kleinen Dinger, die einem das Leben erleichtern und Probleme lösen, die man vorher gar nicht wirklich als Problem wahrgenommen hat. Was ich auf den Trip deshalb definitiv mitnehmen würde, wäre mein GPS Logger, den ich mir im Vorfeld der Schottland-Reise zugelegt habe. Aber da gibt es, gerade wenn man in Richtung Fahrrad denkt, auch noch weitere Sachen, die meines Erachtens sehr cool wären.

Ein Kugelkopf liesse sich im Handumdrehen am Fahrrad befestigen. Denn warum sollte das Velo nicht auch ein gutes Stativ sein. *4)

So beispielsweise eine Kamera-Halterung fürs Fahrrad. Wenig mehr als eine runde Klemme für den Lenker mit einer daran befestigten Schraube fürs Stativgewinde. In erster Linie ist das in meinen Augen eine GoPro-Lösung, denn wer will schon während der Fahrt eine DSLR auf dem Lenker bedienen? Klar könnte man sowas kaufen, aber was ich bislang im Web gesehen habe, sah mir nicht vertrauenserweckend aus. Allerdings könnte man da ja auch selbst handwerklich tätig werden

 

 

 

 

Zudem könnte man eine solche Halterung auch noch ein bisschen weiterdenken: Wieso nicht als Halterung für ein Einbeinstativ mit Kugelkopf oben drauf? Da liesse sich dann beispielsweise perfekt ein Blitz montieren und so das Fahrrad zum Assistenten werden.

Doch weg von den Fotogadgets sehe ich die Fotosafari als gute Gelegenheit, mal technisch zu werden, und zwar beim Trinken. Wasserblasen für den Rucksack gibt es schon seit Längerem, bloss habe ich bislang keinen Sinn darin gesehen, mir sowas für Zu-Fuss-Fototouren zuzulegen, zumal die Dinger auch vergleichsweise aufwändig zu reinigen sind. Beim Radeln wäre das jedoch erst mal zweitrangig, da gefällt mir die Idee, unkompliziert während der Fahrt per Schlauch trinken zu können.

 

Die Tour

Natürlich würde jeder eine solche Tour nach eigenem Gutdünken planen. Richtig fitte Vertreter der radelnden Fotografenzunft würden sicherlich auch nicht vor knackigen Strecken wie der Alpenpanorama-Route zurückschrecken, bei der man in Ost-West-Richtung südlich von Bern fast 8000 Höhenmeter überwinden muss.

Die Aare als Fotomotiv würde mich reizen. Zumal es entlang dieser Strecke auch zahlreiche malerische Ortschaften abzulichten gäbe. *5)

Nein, auch wenn da die Aussicht und Fotomotive sicherlich genial sind, würde ich es erst einmal wesentlich lockerer angehen lassen. Die Mittelland-Route beispielsweise würde mich reizen. Die führt von Romanshorn am Bodensee, immer grob dem Verlauf der Aare folgend, bis nach Solothurn. Entlang dieser Route gibt es einige sehr schöne Stellen, auf die man die Kamera richten könnte. Und in Solothurn könnte man sich auch mal die Werke von Pierre-Philippe Hofmann anschauen, der dort vor einigen Jahren als Gastkünstler im örtlichen Atelier residierte.

 

 

 

 

Wie gesagt, das sind nur mal meine Gedanken für eine solche Fotosafari. Ob ich sowas wirklich einmal machen werde, steht derzeit noch etwas in den Sternen, weil ich gerade auch von mehreren anderen Projekten in Beschlag genommen werde. Aber ich bin sicher, irgendwann wird es mal soweit sein.

In der Regel verwende ich immer Bilder die ich selber gemacht habe. Da ich aber gerade wenig Zeit habe und zum Thema keine passenden Bilder in meinem Portfolio gefunden habe, benutze ich ausnahmsweise Bilder von anderen Quellen:
Bildquellen:

*1) Titelbild fotolia.com  © nullplus

*2) fotolia.com  © Patrizia Tilly

*3) fotolia.com  © Tanja Esser

*4) fotolia.com  © fd-styles

*5) fotolia.com  © rochagneux

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